Zahlenblog: relative Zahlen

Absolute und relative Zahlen bei Aktienkursen

09.03.2011 - In Ihrem Kapitel "Lügen mit relativen Zahlen" führen Sie als Beispiel den Aktienkurs der fiktiven Firma "In Between Multimedia" an, der um 70 Prozent gestiegen ist. Sie sagen Vorsicht: Denn die Aktie sei bei genauer Betrachtung lediglich von "so gut wie nichts" auf "fast nichts" gestiegen. Ich halte dieses Beispiel für irreführend und für die in meinen Augen richtige Botschaft, die Sie vermitteln wollen, nicht für geeignet. (Rland Larmann)

Seit ein paar Tagen lese ich mit großem Vergnügen Ihr Buch “Lügen mit
Zahlen”. Nun ist mir bei der heutigen Lektüre etwas aufgefallen, dass
ich gerne mit Ihnen diskutieren würde. Auf Seite 70 führen Sie in Ihrem
Kapitel “Lügen mit relativen Zahlen” als Beispiel den Aktienkurs der
fiktiven Firma “In Between Multimedia” an, der um 70 Prozent gestiegen
ist. Sie sagen Vorsicht: Denn die Aktie sei bei genauer Betrachtung
lediglich von “so gut wie nichts” auf “fast nichts” gestiegen. Ich halte dieses
Beispiel für irreführend und für die in meinen Augen richtige Botschaft,
die Sie vermitteln wollen, nicht für geeignet. Ich erkläre Ihnen auch
gerne warum?

Nehmen wir an, der “Nichts”-Kurs beträgt 10 Cent und der “Fast
nichts”-Kurs demnach 17 Cent (70 Prozent Steigerung). Dann freue ich
mich als Anleger von 1000 Euro, der zum “Nichts”-Kurs gekauft hat und
nun zum “Fast nichts”-Kurs wieder verkauft, doch über eine satte Rendite
von eben diesen 70 Prozent – oder absolut von 700 Euro.

Gleiches würde auch bei einem absoluten Aktienkurs von 500 Euro gelten,
der um 70 Prozent steigt. Als 1000-Euro-Anleger verdiene ich hier
ebenfalls meine 700 Euro.

In diesem Fall ist die relative Zahl also doch aussagekräftig und lügt
eben nicht.

Roland Larmann, Bad Münstereifel

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Sehr geehrter Herr Larmann,
danke für Ihr Interesse und das Lob.
Tatsächlich gibt es fast immer mehrere Sichtweisen auf ein Thema.
So ist in Ihrem Beispiel von angelegten 1000.- Euro tatsächlich die
prozentuale Steigerung völlig ausreichend.
Wir hatten den Blickwinkel, dass eine 70%-ige Steigerung bei gut
laufenden Firmen so gut wie aus geschlossen ist, bei Schrottpapieren
aber häufiger vor kommt, also nichts Besonderes ist. Das nutzen ja auch
Spekulanten, die sich mit Schrottpaieren verschiedener Firmen eindecken,
in der Hoffnung, dass mindestens eine solche Sprünge macht. Aber auch
diese Spekulanten haben keine 70% plus, da die anderen Schrottpapiere
eben nicht so steigen. Aber, wenn Sie ganz zufällig, nur das steigende
Schrottpapier haben, dann …

Viele Grüße und noch viel Spaß (und Aufmerksamkeit) beim Lesen

Gerd Bosbach