Zahlenblog:

Äußerst unterhaltend und erfrischend

05.04.2011 - Lieber Gerd, ... eigentlich ist es schade, wie schnell man es durchlesen kann, während Ihr so lange daran gearbeitet habt. Es ist, als wenn ein Koch stundenlang in der Küche steht und die Gäste dann das Essen in kurzer Zeit verputzen. Dass das Buch so kurzweilig ist, dürfte eher ein Zeichen dafür sein, dass die Arbeit besonders mühevoll war. Langweilige, trockene Bücher lassen sich wahrscheinlich schneller schreiben. (Klaus Bingler)

Der Stil ist zum großen Teil äußerst unterhaltend und erfrischend. Ich habe noch nie ein Sachbuch gelesen, dass über weite Strecken so sehr in kölschem Geist geschrieben worden wäre, abgesehen vielleicht von Büchern über Karneval oder kölsche Mundart. Das betrifft nicht nur die zahlreichen regionalen Anspielungen, sondern auch den fröhlichen Stil. Als Westfale mag man zwar manchmal innerlich den Kopf schütteln, aber das Ganze ist einfach so nett und humorvoll verpackt, dass sich die runzlige Stirn rasch wieder glättet. Und die Rheinländer genießen eben eine gewisse Narrenfreiheit. Das wird man auch im Rest der Republik so sehen. Dass das Buch zugleich auch recht belehrend, zum Teil fast etwas dozierend verfasst ist, ist durchaus kein Widerspruch, denn das Rheinische hat, wie wir schon aus der Feuerzangenbowle wissen, durchaus auch etwas Lehrerhaftes an sich.

Es ist sicher keine leichte Sache, eine so trockene Sache wie Statistik in eine lockere Form zu bringen. Da hat der Jens bestimmt viel zu beigetragen, der ja als Öcher fast noch rheinischer ist als Du. Es hat wohl in Deutschland noch nie ein so humorvolles und zugleich auch kritisches Buch über Statistik gegeben, so würde ich zumindest vermuten.

Dem Ernst der Sache trägt die lockere Form natürlich keinerlei Abbruch… Ab Kapitel 10 bis 13 wird es dann richtig politisch. Da wechselt der lockere Tonfall ins Kämpferische und rein Argumentative. Ein bisschen habe ich das als Bruch empfunden. Andererseits handelt es sich hier um die politischen Kernthesen, es geht sozusagen ans Eingemachte und da kommt ein anderer Stil eben nicht in Frage. Man hätte diese Kapitel aber vielleicht gliederungsmäßig etwas abgrenzen oder hervorheben sollen, so wie das Kapitel Exkurs über den Kult der Zahl ja auch eine Sonderstellung einnimmt.

Zum Schluss noch etwas zu Deiner These, dass Schulden auf der einen Seite einem Vermögen auf der anderen Seite entsprechen. Diese Aussage empfinde ich als sehr treffend und man kann sie nicht oft genug wiederholen…

Klaus Bingler, Köln