Zahlenblog:

Bilanz der Bundesagentur für Arbeit zum Ausbildungsjahr 2014/15 - ein Fakten-Versteckspiel. Hinweis Nr. 37

12.11.2015 - Ende Oktober titelte die Bundesagentur für Arbeit ihre Pressemitteilung zum Berufsberatungsjahr 2014/2015 mit "Rechnerisch ausgeglichen, aber große Disparitäten". Erwartungen auf überwiegend positive Nachrichten bekamen schon im zweiten Satz einen kleinen Dämpfer: "Die Zahl der Bewerber überstieg die Zahl der Ausbildungsplätze nur noch wenig", hieß es auf einmal. Wie viele Ausbildungsplätze fehlten, musste dann intensiv gesucht werden.

Die 520.000 gemeldeten Berufsausbildungsstellen findet der aufmerksame Leser im dritten Absatz und muss sich anschließend durch diverse andere Zahlen quälen, um zwei Absätze später auf die 549.100 Bewerber zu treffen. Vorausgesetzt, dass er trotz der vielen Zahlen und Worte dazwischen, die Zahl der Stellen noch im Blick hat, muss der Leser ein Fehlen von fast 30 Tausend Stellen konstatieren.

Irritiert auf der Suche nach der Erklärung, dass das rechnerisch ausgeglichen sei, wird es ganz kurios. “Die Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsstellen übersteigt die Zahl der unversorgten Bewerber um 20.200 Stellen.” Sogar von einem “Stellenüberhang” wird berichtet! Erst ein paar Sätze später erkennt man den Darstellungstrick. Über 60.000 weiterhin Stellensuchende wurde aus der Rechnung eliminiert, da sie “in eine Alternative eingemündet sind”, also nicht unversorgt seien.

Trotz der vielen schönen Worte wie “rechnerisch ausgeglichen” gibt es weiterhin 30 bis 40 Tausend mehr offiziell gemeldete Ausbildungswillige als Stellen. Angesichts des Geredes von Fachkräftemangel ein Skandal, der auch so benannt werden sollte. Selbst wenn man sich damit bei Unternehmern und Politkern unbeliebt macht.

Die regelmäßigen Leser unserer Rundschreiben erinnern sich an ähnliche Schönfärbungen bei der Präsentation der Arbeitslosenzahlen und Tricks bei der Errechnung eines vermeintlich großen Fachkräftemangels. Das scheint Methode zu haben.

Damit unsere Faktenanalyse nicht als Argument gegen Zuwanderung ausgelegt wird, hier ein Interview zum Thema mit Gerd Bosbach (taz vom 25.10.2015) – das Entscheidende zusammengefasst auf NachDenkSeiten .

Freundliche Grüße
Gerd Bosbach, Jens Jürgen Korff
Köln, Herford, 6. November 2015