Zahlenblog:

Das Elend der Wirtschaftsprognosen

02.12.2011 - Jedes Jahr im Frühjahr und Herbst geben die sechs bzw. (seit 2007) vier "führenden deutschen Wirtschaftsforschunginstitute" im Auftrag des Bundeswirtschaftsministers ihre Prognose für das zu erwartende Wirtschaftswachstum ab. Besonders beliebt: die Herbstprognosen fürs Folgejahr. Doch gerade die lagen 2005-2010 stets arg daneben. Einmal mehr zeigt sich: Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.

Für 2005 hatten sie im Herbst des Vorjahres 1,5 % Wachstum prognostiziert. In Wirklichkeit waren es dann 0,7 %.
Für 2006: 1,2 % prognostiziert, tatsächlich 3,7 %.
Für 2007: 1,4 % prognostiziert, tatsächlich 3,3 %.
Für 2008: 2,2 % prognostiziert, tatsächlich 1,1 %.
Für 2009: 0,2 % prognostiziert, tatsächlich -5,1 %.
Für 2010: 1,2 % prognostiziert, tatsächlich 3,7 %.

Sabine Weiler, Sprecherin des Rheinisch-Westfälisches Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, hält eine Abweichung der Prognose vom tatsächlichen Wachstum von 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten für gut. In Wirklichkeit lag diese Abweichung 2005-2010 im Schnitt bei 2,35 Prozentpunkten. Auch wenn wir den Extremfall 2009 mal gnädigerweise ignorieren, bleibt die Abweichung bei im Schnitt 1,76 Prozentpunkten. Demnach sind die Prognosen, wenn wir den eigenen Maßstab des RWI anlegen, grottenschlecht und faktisch unbrauchbar.

Weiler sagte bei der Gelegenheit noch etwas Vernünftiges: „Es wäre vernünftiger zu sagen, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent eine Zahl zwischen x und y eintreffen kann.“ In der Tat: Wir warten auf die erste offizielle Wachstumsprognose, die genau so formuliert ist – und auf Manager, Politiker und Journalisten, die mit solch unscharfen Aussagen umgehen können.

Angaben lt. Neue Westfälische 14.10.2011

Jens Jürgen Korff