Zahlenblog:

Der merkwürdige Knick bei der deutschen Staatsverschuldung

30.08.2011 - Lieber Gerd Bosbach, nach der Vorstellung bei der Memo-Gruppe im Bunten Haus im Juni hab ich mir "Lügen mit Zahlen" besorgt und mit großem Vergnügen gelesen. Zum Buch habe ich zwei Anmerkungen... (Leserbrief von Horst Hesse zum Will-Rogers-Phänomen und zur Staatsverschuldung der BRD)

1. Das “Will-Rogers-Phänomen” kam mir sehr bekannt vor – oder täusche ich mich? – nämlich in Form des klassischen Ricardo-Modells (Zwei-Güter-Zwei-Länder-Modell) vom komparativen Vorteil im Außenhandel (Portgal: Wein; England: Tuch) und wäre dann gut 100 Jahre älter.

2. Kurven zur Staatsverschuldung der BRD werden gerne mit einem markanten Knick nach oben im Jahre 1991 gezeigt, als Beleg dafür, welch marode Masse die DDR in die Vereinigung eingebracht hat; damit lässt sich das Desaströse der Treuhandpolitik kaschieren. Zeitreihen zur Pro-Kopf-Verschuldung zeigen dagegen 1991 zunächst einen Knick nach unten. Wieso? Die DDR war weniger verschuldet als die alte BRD, was sich erst in den Pro-Kopf-Werten zeigt.

Freundlichste Grüße aus Leipzig
Horst Hesse

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Lieber Horst,
…ich gucke mir mal Ricardo auf Ähnlichkeiten zu Will Rogers an. Der Name ist auf jeden Fall nicht schlecht, da Will Rogers das ganz verständlich und lustig dar gestellt hat. (Wenn die Dümmsten aus Oklahoma nach Kalifornien ziehen, wird in beiden Ländern die durchschnittlich Intelligenz steigen.)

Manchmal wird auch wirklich saudoof nur auf die absoluten Zahlen geguckt. Bei den Staatsschulden BRD + ab 91 DDR habe ich das noch nicht gesehen. Leider interessiert diese Vergangenheit heute immer weniger…

Wir sehen uns und Du hörst/liest von mir
Gerd

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Lieber Horst,
obwohl einiges ähnlich aussieht, erscheint mir das Ricardo-Modell nicht das Will-Rogers-Phänomen zu sein. Hauptargumente:

  • Ricardo: Beide gewinnen in der Summe. WR: Die Summe bleibt konstant, nur
    die Mittelwerte wachsen.
  • Ricardo: Teilnehmerzahl bleibt konstant. WR: Zahlen in den Teilgruppen verändern sich (und deshalb auch die Mittelwerte)

Bis demnächst
Gerd