Zahlenblog:

Deutschland schrumpft nicht, sondern wächst

23.01.2015 - Wie das Statistische Bundesamt am 21. Januar 2015 gemeldet hat, ist die Bevölkerung in Deutschland 2014 zum vierten Mal in Folge gewachsen, jetzt auf über 81 Millionen. Auch langfristig gesehen ist die Bevölkerung Deutschlands gewachsen - entgegen den Untergangsprognosen vieler Demografen.

So sieht der längerfristige Trend aus:
1970 78,1 Millionen
1980 78,4 Millionen
1990 79,8 Millionen.

Die für 2000 vermeldete Zahl von 82,3 Millionen wurde durch den Zensus 2011 als deutlich fehlerhaft festgestellt. Grund war der lange Abstand zu den Volkszählungen (1981 DDR, 1987 BRD), indem sich Melderegister aufblähten.

Interessant ist der Vergleich zu 1970 auch, weil er der oft zitierten Meinung, wir lebten demografisch in einer 2/3-Gesellschaft*, widerspricht. Demografen wie Herwig Birg haben aus den amtlichen Zahlen von seit 1970 fast konstant 1,4 Kindern je Frau auf ein drohendes Aussterben der Deutschen geschlossen. 45 Jahre, also fast zwei Generationen später ist davon aber nichts zu bemerken. Die Bevölkerungszahl ist um etwa 3 Millionen höher.

Mit der angeblich schrumpfenden Bevölkerung wurden viele Sparprogramme begründet, etwa der Abbau von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst. So bröckelt ein Baustein der “Agenda 2010” nach dem anderen. Aber leider werden die Entscheidungen, die aus den falschen Annahmen abgeleitet wurden, nicht in Frage gestellt.

Gerd Bosbach

Köln, 21. Januar 2015

(*) Zur Bestandserhaltung einer geschlossenen Gesellschaft braucht jede Frau etwa 2,1 Kinder: 2 als Ersatz für die Eltern und 0,1 für früh Versterbende. Da 1,4 Kinder je Frau genau 2/3 der gewünschten 2,1 Kinder sind, geht rechnerisch pro Generation 1/3 der Gesellschaft verloren, eventuell etwas abgemildert durch zunehmende Lebenserwartung.