Zahlenblog:

Die Lüge von den gefährlichen Radlern

11.07.2011 - DER SPIEGEL berichtete über "gefährliches Gewusel" von Radlern in Berlin. Eine Grafik erweckte den Eindruck, Radler seien an 53 % aller Verkehrsunfälle beteiligt. Eine groteske Verzerrung der Realität, die der SPIEGEL später korrigieren musste. Es grüßt mal wieder die "große Freiheit der Prozentisten".

In Heft 23/2011 veröffentlichte DER SPIEGEL ein Balkendiagramm mit der Unterschrift: “Unfallbeteiligte in Berlin 2010”. 53 % der dort genannten Unfallbeteiligten waren Radfahrer, und die Leser mussten den Eindruck gewinnen, dass in die meisten Berliner Verkehrsunfälle Radler verwickelt sind. Das ist natürlich Unfug. Wie der SPIEGEL später im Internet klar stellte, war die Bildunterschrift “unvollständig”: Die 53 % beziehen sich nicht auf alle Verkehrsunfälle, sondern nur auf die Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung. Wir erfahren also durch diese Statistik, dass immer dann, wenn Radfahrer verunglücken, Radfahrer verunglücken. Genau genommen erfahren wir, dass Radfahrer fast immer mit anderen Verkehrsteilnehmern, meist mit Autofahrern, kollidieren. Denn wenn ein Radler und ein Autofahrer kollidieren, gibt es 2 Unfallbeteiligte: 1 Radler und 1 Autofahrer. Also 50 % Radler.
Bei Autofahrern dürfte die entsprechende Zahl eher um die 90 % liegen, da Autofahrer meist mit anderen Autofahrern kollidieren. Also 2 Unfallbeteiligte pro Unfall: nämlich 2 Autofahrer (= 100 % Autofahrer). Doch diese Vergleichszahl nannte die Grafik nicht.
Wir danken unserem Leser Jan Völkers für den Hinweis auf diese Manipulation.

Jens Jürgen Korff