Zahlenblog:

Die Westfalen sterben doch nicht so schnell aus

18.08.2015 - Ralf Keuper wies in seinem Blog Westfalenlob darauf hin, dass "Westfalen heute", das Organ des Landschaftsverbandes Westfalen, einmal mehr völlig unkritisch fragwürdige Bevölkerungsprognosen wiedergab. Natürlich ohne frühere Fehlprognosen ausdrücklich zurückzunehmen.

Wenn frühere Weltuntergangsprognosen sich plötzlich in Wohlgefallen auflösen, geschieht das in der Regel geräusch- und kommentarlos: OK, Dortmund stirbt nicht aus, Dortmund wächst nach neuesten Prognosen des Statistischen Landesamtes sogar weiter an. Das ist doch kein Grund, frühere Prognosehysterien auf einmal kritisch zu reflektieren! Wo kämen wir hin?

Warum Bevölkerungsprognosen für 40 oder 50 Zukunftsjahre immer Makulatur sind, schreiben wir im Buch auf S. 139f.

In seiner neuesten Prognose behauptet IT.NRW (das Statistische Landesamt), der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung werde in Westfalen bis 2040 um 16,6 % sinken. Dazu habe ich der Pressestelle folgende Frage geschickt:

Warum definieren Sie in Ihrer Prognose vom 14.8. die erwerbsfähige Bevölkerung des Jahres 2040 mit den Altersgrenzen 19-64? Obwohl jetzt schon die Rente mit 67 beschlossen ist? Ab wann können wir – prognostisch gefragt – damit rechnen, dass Sie Ihre Definitionsgrenzen der gestiegenen Lebenserwartung und der mitsteigenden Fitness der 60er-Jahrgänge anpassen werden?

Jens J. Korff

Für IT.NRW antwortete Kirsten Bohne am 17.8.2015:

Die Altersgrenze wurde von unserem Auftraggeber gewählt, um einen Vergleich mit vorherigen Vorausberechnungen zu ermöglichen.

Alle der Bevölkerungsvorausberechnung zugrunde liegenden Annahmen können Sie folgender Publikation in unseren Internetangebot entnehmen:

Statistische Analysen und Studien, Band 84: „Vorausberechnung der Bevölkerung in den kreisfreien Städten und Kreisen Nordrhein-Westfalens 2014 bis 2040/2060“
auf webshop.nrw

Die Ergebnisse liegen für alle Einzelaltersjahre vor und daher können Altersgruppen individuell gebildet werden.

Die Altersgrenze 67 wurde bei der Bildung des Altenquotienten eingebracht (siehe Seite 15 der o. g. Publikation).