Zahlenblog:

Die Wirtschaftsweisen irren - ganz bewusst! - Hinweis Nr. 30 von Bosbach/Korff

04.12.2014 - "Die Politik der großen Koalition schadet nach Einschätzung der fünf Wirtschaftsweisen dem Aufschwung.", so berichte die Süddeutsche Zeitung am 12.11.2014 über das gerade vorgestellte Gutachten des Sachverständigenrats. Die Weisen erwarten für dieses Jahr nur noch ein Wachstum des BIP um 1,2 %, nächstes Jahr nur um 1 %. Doch was soll hier bitte das Ende des Aufschwungs sein?Die Wirtschaftsentwicklung ist schon länger in der Stagnation.

Das Statistische Bundesamt zeigt für die letzten beiden Jahre der BIP-Entwicklung
2012: +0,4%
2013: +0,1%.
Dagegen sind die Prognosen der “Weisen” mit 1,2 % für 2014 eine deutliche Steigerung.

Warum ignorieren die fünf Weisen die bekannten Fakten für die Vorjahre?
Das erklären die Professoren selbst: Ursache für den Abschwung sollen Mindestlohn, Rente nach 45 Versicherungsjahren und Mütterrente sein. Und da diese Maßnahmen 2012 und 2013 noch nicht bekannt waren, muss der Abschwung gerade erst gekommen sein.

Diese Ignoranz von Fakten, um eigene wirtschaftspolitische Ideen zu verteidigen, gehört zum Repertoire von Ideologen. Meist geschieht das, in dem man den Fakten im Verhältnis zu anderen Fakten weniger Bedeutung zumisst. Hier ist es deutlich krasser. Die BIP-Entwicklung wird von den Fünfen selbst als Maßstab für die Wirtschaftsentwicklung genommen und für 2014 und 2015 als wichtiges Kriterium ausgesucht. Nur die letzten beiden Jahre, in denen die Zahlen einfach nicht zur Ideologie passen wollen, werden einfach totgeschwiegen, zumindest gegenüber der Presse.

Ein Versehen ist hier ausgeschlossen!

Online-Beleg zum SZ-Bericht bei WDR 2

Gerd Bosbach
Remagen/Köln 12.11.2014