Zahlenblog:

Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen um 2,2 % gesunken, nicht gestiegen

09.10.2012 - *Die aktuelle Zahlenlüge, aufgedeckt von Bosbach/Korff*
Schon wieder hat die Nichtberücksichtigung von Preissteigerungen ein völlig falsches Bild erzeugt. So wurde Anfang Oktober u. a. behauptet:
"Betriebe zahlen so viel Gewerbesteuer wie nie" oder "Rekord bei Gewerbesteuer". Dabei wurde auf die nominalen Werte des 2. Quartals von 2008 und 2012 Bezug genommen, also die Preissteigerungen völlig unterschlagen.

Wenn man so denkt, muss man auch konsequent die Steigerungen des Bruttoinlandsproduktes der letzten Jahre nominal angeben:
2011: + 5,3%; 2010: +4,8%; 2009: – 4,7%; … und nicht wie die bekannten realen Zahlen des BIP:
2011: + 3,0%; 2010: +3,7%; 2009: – 5,1%; …

Da auch die Ausgaben der Kommunen immer real sind, haben sie heute weniger Geld aus der Gewerbesteuer als 2008!

Hier die Fakten für die 2. Quartale (Datenquelle Statistisches Bundesamt):

Jahr Einnahmen nominal Preisindex
(in Mrd. €)
2008 10,85 107,0
2012 11,16 112,5
+ 2,9 % + 5,1 %

Daraus errechnet sich der reale Verlust von 2,2% Gewerbesteuer-Einnahmen gegenüber dem 2. Quartal 2008.

Dass das Bundesfinanzministerium als Datenquelle ein Interesse an den positiven Darstellungen der kommunalen Steuereinnahmen hat, weiß jeder, der die Verteilungskämpfe zwischen Bund, Ländern und Gemeinden bei Einnahmen und Ausgaben kennt. Diesen Absichten sollten die Medien aber nicht zahlenblind folgen.
Interessant ist die Frage, inwieweit das Bundesfinanzministerium mit seinen Darstellungen Journalisten bewusst in diese Falle gelockt hat.

Köln, 2. Okt. 2012
Gerd Bosbach