Zahlenblog:

Gewinne pro Mitarbeiter

10.11.2012 - Zum Eintrag: DAX-Konzerne: 17.358 € Gewinn pro Mitarbeiter in 2011- im Durchschnitt!
Ich arbeite bei einem der DAX-Konzerne als Führungskraft. Der Hinweis meinerseits: Die "internen Mitarbeiter" werden streng von den "externen Mitarbeitern" getrennt verrechnet, am besten über Werksvertrag. Somit sind das "Sachkosten"...

Simples Beispiel: Ein Unternehmen verdient mit seinen 1000 Mitarbeitern 1.000.000 € im Jahr, so sind das 1000 pro Mitarbeiter. Wenn das Unternehmen nun 50% “outsourct”, sind das Sachkosten. Es braucht nur noch 500 interne Mitarbeiter. Verdient wird weiterhin 1.000.000. Das hat aber den Gewinn pro Mitarbeiter auf 2000 € verdoppelt. Somit sind die “immerhin Verdienst“ der DAX-Unternehmen äußerst fraglich zu interpretieren.

Übrigens, ihr Buch hat mich begeistert und erschüttert. Aber aufgeweckt!
Vielen Dank
Georg Schmidt

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Sehr geehrter Herr Schmidt,
vielen Dank für den interessanten Hinweis! Das bedeutet, wenn ich Sie richtig verstehe, dass der Gewinn pro wirklichen Mitarbeiter (incl. der externen) entsprechend geringer zu veranschlagen ist?

Mit freundlichen Grüßen
Jens Jürgen Korff M. A.

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Hallo Herr Korff,
genau so ist es.

Die “Fremdarbeitskräfte (FAK)” arbeiten über Werksvertrag.
Somit sind diese Kosten buchhalterisch Sachkosten, keine Personalkosten.
Auch wenn das Personalkosten wären, würde das Unternehmensergebnis
nur durch die Anzahl der festangestellten Mitarbeiter geteilt (Kopfzahl).
Deshalb wird bei uns in der Entwicklung ein FAK-Anteil von 25% angepeilt.
Oder der Betrieb des Versuchslagers wird “outgesourcet”.
Somit sind die 20 Lageristen nicht mehr Mitarbeiter, sondern nur noch Sachkosten.
Die Analysten brechen in Jubel aus, dass pro Mitarbeiter soviel Geld verdient wird.

Übrigens, wenn solche Vergleiche gemacht werden ist die sogenannte Fertigungstiefe zu betrachten. Sprich, was fertigt die Firma selbst, was kauft sie ein.
Zwei Firmen mit gleichem Gewinn, gleichem Produkt, aber unterschiedlicher Fertigungstiefe: Hier ist der Vergleich, was wird pro Mitarbeiter verdient wird nicht statthaft. Denn die Firma mit großer Fertigungstiefe benötigt natürlich mehr Mitarbeiter als die Firma mit kleiner Fertigungstiefe, die alles beim Lieferanten einkauft. Die Firmen stellen aber die gleiche Anzahl gleicher Produkte her und verdienen etwa gleich viel Geld.
Daher macht man am besten möglicht wenig selbst und lässt sich’s liefern.
Schauen sie in ihr Auto und überlegen sie, was die Autofirma wirklich selbst herstellt: Leuchten von Bosch, Sitze von Recaro, El.Leitungssätze von Leoni, Tacho von VDO, Getriebe von Getrag…….

Manchmal muss man ganz genau hinschauen was so verglichen und veröffentlicht wird. Aber das muss ich ihnen ja nicht sagen.
Beste Grüße
Georg Schmidt

Hallo Herr Schmidt,
danke für die Hinweise. Mir ging es bei der Berechnung Gewinn pro Mitarbeiter auch nicht um eine genaue Zahl. Es sollten die abstrakten absoluten Gewinngrößen für die Mitarbeiter nachvollziehbar gemacht werden. 5 Milliarden versteht keiner wirklich, 20.000 €/Mitarbeiter schon. Und selbst, wenn Ihr Ziel, ein Viertel Fremdkräfte erreicht würde, betrüge der Gewinn statt 20.000 immer noch gut 13.000 € pro Jahr für alle Beschäftigten, also jenseits der Knappheit.

Freundliche Grüße
Gerd Bosbach