Zahlenblog:

Lügen mit Grafiken: Geburten und Erzieherinnen in Thüringen

14.12.2011 - Eine Initiative "Hände weg vom Thüringer Betreuungsgeld" agitierte 2009 mit manipulierten Grafiken gegen ein Volksbegehren, das sich für mehr Personal in Kitas einsetzte. Optisch wurde ein Geburtenzuwachs gezeigt, der faktisch nicht existierte, und die Zunahme der Zahl der Erzieherinnen wurde optisch stark übertrieben.

manipulierte Grafiken der Betreuungsgeldinitiative Thüringen 2009

Die Grafik entstammt einer ganzseitigen Anzeige der Initiative “Hände weg vom Thüringer Betreuungsgeld” aus der Verteilzeitung “die hallos in Thüringen”. Die Initiative richtete sich gegen das Volksbegehren für eine bessere Familienpolitik, das eine bessere Personalausstattung in den Kitas erreichen wollte und im Landtags-Wahlkampf 2009 einen erheblichen Einfluss hatte. Im Vorstand der Initiative saß der Besitzer der Werbeagentur, die seit etlichen Jahren den Wahlkampf der Thüringer CDU organisiert – reiner Zufall vermutlich.

Insgesamt sind die Bilder so klein, dass man eine Lupe braucht, um sie lesen zu können… Besonders schön: Man bezieht die “gewachsene” Geburtenzahl nicht auf eine reale Zahl, sondern auf eine ominöse Prognose, von der man weder weiß, wann, noch von wem sie abgegeben wurde. Und selbst das reicht den Machern nicht; sie blähen die Zahlen auch noch optisch auf:
für 2007 von 105 auf (optisch) 118 %
für 2008 von 106 auf (optisch) 135 %
(nachgemessen in Millimetern Höhe)

Da die Blähung unterschiedlich stark ist, kommt von 2007 bis 2008 auch noch eine scheinbare Geburtensteigerung um 11 % zustande. Tatsächlich waren es 0,1 % (24 Kinder), etwa so viel, wie an einem halben Tag geboren werden. Weil 2008 ein Schaltjahr war, haben wir tatsächlich einen Verlust zu verbuchen – statistisch natürlich nicht relevant.

Die Neueinstellung von Erzieherinnen wird ähnlich übertrieben: Ein tatsächlicher Zuwachs von 6 % (nach Jahren der Personalkürzungen) wird optisch auf 30 % aufgebläht.

Ich habe mich bei den Relationen nur auf die Höhe bezogen, weil der Flächeninhalt stilisierter Kinderwagen schwer zu berechnen und die Manipulation so oder so ohne jede Scham ist.

Das Volksbegehren war übrigens erfolgreich (auch wenn es der CDU gelungen ist, einen Teil der Gegenfinanzierung an den Kommunen vorbei ihren Landräten zuzuschieben), das Betreuungsgeld gibt es immer noch, und von der angeblichen Bürgerinitiative, die für ihre Anzeigen und großflächigen Plakate einen fünfstelligen Betrag ausgegeben haben muss, hat man seither nie wieder gehört.

Mit den besten Grüßen,
Heidrun Jächen.