Zahlenblog:

Merkwürdig genaue Zahlen

09.03.2015 - Unser Leser Peter Heusch lobt das Buch und bringt eigene Beispiele zum Thema "merkwürdige genaue Zahlen" und zur Methode "Yang ohne Yin".

Sehr geehrter Herr Bosbach,

nach Ihrem interessanten Auftritt auf dem Mathematikertag an der HFT Stuttgart habe ich mir zu Weihnachten Ihr Buch Lügen mit Zahlen schenken lassen und mit viel Interesse gelesen. Mir sind dabei noch einige andere Dinge aufgefallen, wo gerne mit Zahlen eine nicht existente Genauigkeit vorgespiegelt wird. So vermieten viele Makler Wohnungen und geben dabei die Quadratmeter mit zwei Nachkomastellen an, obwohl eine solche Genauigkeit auf der Baustelle kaum realisierbar sein dürfte. Schon bei einer typischen 2-Zimmer-Wohnung mit 64 m², deren Außenwände (zumindest solange wir uns auf den Spezialfall durch Polygone beschriebener Grundrisse beschränken) mindestens 32 m messen, muss man die Frage stellen, ob die Grundfläche mit oder ohne Tapete berechnet wurde. Denn schon eine nur 1 mm dicke Tapete (z.B. Rauhfaser) ergibt auf solcher Länge einen Flächenverlust von 32.000 mm² = 320 cm² = 0,03 m² dieser schlägt bis in die zweite Stelle nach dem Komma durch. Hat man zusätzlich verflieste Wände oder gar Innenwände, läuft die Sache vollkommen aus dem Ruder, dann ist wahrscheinlich sogar die erste Nachkommastelle falsch. Hintergrund ist vermutlich die Gewohnheit im Baubereich, Maße immer auf zwei Nachkommastellen anzugeben, damit muss dann “natürlich” auch die Fläche auf zwei Stellen genau sein.

Ein weiteres schönes Beispiel fiel mir bei dem Umweltbericht unserer Hochschule ins Auge. Dort war von einem täglichen Wasserverbrauch von 160 Liter pro Person die Rede, der in den letzten 10 Jahren um über 30% (pro Person) angestiegen ist. Als Maßnahme zum Umweltschutz sei es daher alternativlos, sich mit ganzer Energie (und vielen Arbeitsgruppen, Ausschüssen, Stabsstellen, etc) der Reduktion des Wasserverbrauchs zu widmen. Insbesondere sollen jetzt überall Wasserspartasten in die Toiletten eingebaut werden. Ohne jetzt die Details zu kennen, vermute ich, dass man damit bei den Herrentoiletten anfängt. Sie ahnen wahrscheinlich schon, woher diese Umweltkatastrophe rührt. In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Studierenden bei uns fast verdoppelt, die Zahl der Beschäftigten ist jedoch deutlich langsamer gestiegen. Da wir uns aber mit anderen Ministerien vergleichen, wurde als Maßstab für den Wasserverbrauch nur die Zahl der Beschäftigten gewählt, was auch den exorbitanten Wert erklärt. Mit 160 Litern könnten alle Beschäftigten täglich ein Wannen- oder Duschbad nehmen und dann immer noch mehrfach die Toilette aufsuchen. Studierende sollen ja auch an der Hochschule studieren, und nicht auf die Toilette gehen.

Besonders gut gelungen fand ich auch den Punkt mit Ying und Yang, wonach man immer beide Seiten der Medaille betrachten muss. Interessant finde ich hier vor allem die in den letzten Jahren getroffenen Entscheidungen im Bereich der Versicherungen…

mit besten Grüßen
Peter Heusch