Zahlenblog:

Neue Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes

28.04.2015 - Am 28. April 2015 wurde die neue Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes bis 2060 (13. koordinierte) der Öffentlichkeit vorgestellt. Drei ergänzende Hinweise: unrealistischer Zeithorizont, unrealistischer Wanderungssaldo, Rückgang von Menschen im Erwerbsalter über langen Zeitraum aufaddiert.

1. Zeithorizont der Rechnung: Daten aus 2013, also 47 Jahre. Das entspricht einer Modellrechnung des Jahres 1968 für heute.
Kaum vorstellbar, dass das mit der Wirklichkeit viel zu tun hat.

2. Wanderungssaldo: Vorgestellt wurden die Rechnungen mit langfristigem Zuwanderungssaldo von 100.000 und von 200.000.
Von 1991 bis 2013 betrug der durchschnittliche Zuwanderungssaldo 232.633 !!! Bei angeblichem großen Arbeitskräftemangel in der Zukunft hätte man auch die gerechneten Ergebnisse mit höherer Zuwanderung (300.000) der Öffentlichkeit präsentieren können.

3. Menschen im Erwerbsalter: Dazu wurden eine Reihe von Zahlen genannt.
Die schlechteste Variante (Renteneintrittsalter bleibt bei 65 Jahren, schwache Zuwanderung; in Schaubild 7 dargestellt) führt zu einem Rückgang von 2013 (gut 49 Millionen Erwerbsfähigen) bis 2060 (34 Millionen Erwerbsfähige) um 30%, was als starkes Problem dargestellt wurde.
Dieser Rückgang entspricht einer jährlichen Belastung von etwa 0,8 % (47-te Wurzel aus 0,7). Das heißt umgerechnet, dass von 100 Erwerbsfähigen einer jährlich zu ersetzen ist! Also ökonomisch kein Problem. Nur durch Zusammenfassung von Veränderungen für einen sehr langen Zeitraum (analog 1968 bis heute) entsteht das Schreckgespenst.
(Weitere Probleme des vorgeführten Rückgangs auf Bedarf)

Gerd Bosbach