Zahlenblog:

RWE: 21.000 € Nettogewinn pro Mitarbeiter sind den Aktionären zu wenig

23.11.2013 - Uns kommen die Tränen! Der Energiekonzern RWE befürchtet für 2014 einen Gewinneinbruch auf 1,3 bis 1,5 Milliarden € und "muss" daher, wie der Kölner Stadt-Anzeiger im November 2013 berichtete, seine Beschäftigtenzahl auf 61 000 schrumpfen. Da wir uns Milliarden Euro nicht vorstellen können, erscheint uns der Personalabbau fast unumgänglich. Aber rechnen wir doch mal nach:

1,3 Milliarden Euro durch 61.000 Mitarbeiter macht 21.311 € Nettogewinn pro Mitarbeiter, also deutlich mehr als 1.500 pro Monat. Da sehen wir keinen Grund zur Panik und zu radikalen Sparmaßnahmen bei den Mitarbeitern. Da ist noch viel Luft, wenn man nicht nur an die Aktionäre denkt. Die haben übrigens eine erstaunlich hohe Dividende: Bei der letzten Ausschüttung waren es 2 € bei einem Aktienwert von knapp 26 € (Stand 15.11.2013). Mit dieser Quote von 7,7 Prozent stand RWE auf Platz 2 aller DAX-Unternehmen, knapp hinter EON.
Vielleicht haben sich die Energiekonzerne in den letzten Jahrzehnten nur zu sehr an riesige Gewinne und Dividenden gewöhnen dürfen. Auch ein Umbau des Konzerns hin zu einer zukunftsfähigen, dezentralen, klima- und umweltfreundlichen Energieversorgung scheint uns, wenn 1,3 Milliarden € Gewinn zur Verfügung stehen, durchaus finanzierbar – und dafür würde mit Sicherheit die komplette bisherige Personalstärke gebraucht.

Prof. Dr. Gerd Bosbach, Köln
Jens J. Korff M. A., Bielefeld

Dieser Beitrag erschien teilweise auch als Leserbrief im Kölner Stadt-Anzeiger.