Zahlenblog:

Schönes Buch, angenehm zu lesen, informativ, witzig - aber...

10.06.2011 - Hallo Jens,
schönes Buch, angenehm zu lesen, informativ. Gut gemacht. Witzig. Danke.
Aber drei Anmerkungen kann ich mir als alter Meckerer nicht verkneifen (zu den Ärzten in Hansistan, zu den Ausgaben der Krankenkassen, zu "+/- 375 Prozent"):

Simpson-Paradox, Beispiel Ärzte in Hansistan
Seite 157: Schade, schade, nach dem langen gut erklärten Kapitel die falsche Schlussfolgerung: Wenn der Arzt es nicht beeinflussen kann, ob er als Schnibbler, als Tröster oder als Knochenflicker eingesetzt wird, dann wird er natürlich im Bergland mehr verdienen. Denn im Flachland landet er nun mal mit 80% Wahrscheinlichkeit bei den Schnibblern, wo seine Chance in der zweiten „Ziehung“ nur 30% beträgt, gutverdienend zu werden – macht zusammen 24%. Mit nur 20% wird er Tröster oder Knochenflicker, wo dann jeweils seine Chance 80% beträgt, gutverdienend zu werden – macht aber trotzdem nur 80% von 20%, also 16%. Es bleibt also bei 40% Chance. Anders wird das nur, wenn er Einfluss auf seine „Fachrichtung“ nehmen kann.

Aufteilen: Ausgaben der Krankenkassen
S. 169: Prinzipiell halte ich die Kritik der Grafik für gerechtfertigt. Aber: „Heil- und Hilfsmittel“ sind ja auch nicht bei den „Arzt“-Kosten mit eingerechnet. „Sauber“ fände ich eine Darstellung, die – ich bin nicht vom Fach – zum Beispiel „Allgemeinärzte“, dann „Zahnärzte“, „Augenärzte“, „Urologen“, „Frauenärzte“ … auflistet, gerne einschließlich der jeweiligen Krücken, im Mund oder unterm Arm. Und dann noch eine „Restgruppe“ für die kleineren Gewerke.

“Volkszählungen: +/- 375 Prozent”
Seite 178: Ach ja, die liebe Prozentrechnung. Oder die lästigen Vorzeichen. Was bedeutet denn die Überschrift „+/- 375 Prozent“? 105 Mio sind 275% mehr als 28 Mio. Oder: Wenn 28 Mio 100% sind, dann sind 105 Mio 375%. Aber bitte ohne „+/-“.

Aber das schmälert nicht den Wert des Buches an sich. Letzte Woche musste ich das Will-Rogers-Phänomen nachschlagen, weil mein Stellvertretender Schulleiter mir nicht glauben wollte. Jetzt leihe ich es gerade einem Kollegen aus, der an der Uni herumforscht.
Viele Grüße
Dirk Blotevogel

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Hallo Dirk,

auch von mir vielen Dank für das Lob zu unserem Buch.

Zu Deinen Anmerkungen einige Bemerkungen von mir:

1. Ärzte in Hansistan:
Deine Kritik ist unter folgender Annahme berechtigt:
Wahrscheinlichkeit eingesetzt zu werden = Anteil der Ärztegruppe jetzt.
Diese Annahme ist über lange Zeit bei sich nicht verändernder Ärztestruktur sicherlich sinnvoll. Kurzfristig kann es aber ganz anders aussehen, z.B. wenn eine Ärztegruppe überaltert, eine noch recht jung ist.
Meine Rechnung ging von einer Gleichverteilung des Einsatzes aus, und dann würde unsere Folgerung stimmen. Ich gebe Dir aber auch Recht, dass ohne Nennung dieser Gleichverteilungsannahme Deine die sinnvollere ist.

2. Auch Dein Hinweis auf die Aufteilung in Zahnarzt und Zahnersatz in der Grafik auf S. 169 ist berechtigt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass am Zahnersatz nicht nur die Zahnärzte, sondern auch die freien Labore verdienen. Uns ging es aber tatsächlich um das Prinzip…

3. S. 178: Ja, das “+/- 375%” ist Blödsinn…

Danke für die Hinweise! Wir sind tatsächlich inzwischen blind für unser eigenes Geschreibsel.
Viele Grüße aus Köln
Gerd Bosbach