Zahlenblog:

So arbeitet die Lügenmaschine Breitbart

22.12.2016 - 

Der rechtskonservative amerikanische Internetkanal Breitbart, der mit zum Wahlerfolg Donald Trumps beigetragen hat, ist dabei, eine deutsche Filiale zu eröffnen (siehe heute.de 20.12.2016). Mit welch infamen Verleumdungsmethoden dieser Kanal und sein Erfinder Andrew Breitbart schon 2010 gearbeitet haben, hatten wir im Buch „Lügen mit Zahlen“ wie folgt dargestellt – im Kapitel Die Dummen und die Bösen

2010 veröffentlichte der amerikanische Konservative Andrew Breitbart im Internet ein Video, in dem die afroamerikanische Ministerialbeamtin Shirley Sherrod zugab, dass sie sich einmal geweigert habe, einem armen weißen Farmer zu helfen. Sofort brach eine Kampagne los, und man zwang die vermeintlich anti-weiße »Rassistin« zum Rücktritt. Erst später wurde die ganze Passage ihrer Rede bekannt: Die Beamtin hatte nachdenklich und selbstkritisch darüber gesprochen, welche inneren Schwierigkeiten sie 1986 zunächst gehabt hatte, einem weißen Farmer zu helfen. Sie hatte dann aber ihre spontane Reaktion, die dem tief sitzenden Schwarz-Weiß-Denken verhaftet gewesen war, überdacht; und dabei war ihr schnell klar geworden, dass sie armen Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe helfen musste; und sie hatte ihren Fehler selber, aus eigener Einsicht, korrigiert. Wer wie Breitbart aus einer längeren Äußerung, in der jemand seine eigene Entwicklung schildert, nur den schlechten Teil der Entwicklung herausstellt, um die Person bloß zu stellen, begeht eine schwere Verleumdung mit eindeutiger politischer Absicht. Die Methode ist deshalb besonders infam, weil Breitbart ausgerechnet eine Selbstkritik von Sherrod ausgenutzt hat, um ihre Äußerung ins Gegenteil zu verfälschen.

Die Methode, die Breitbart benutzt hat, ist die verlogene Momentaufnahme: Der Trickser greift einen Abschnitt aus einer Entwicklung heraus und stellt nur diesen öffentlich dar. Er verschweigt, dass die Entwicklung danach ganz anders weitergegangen ist.

Jens J. Korff