Zahlenblog: Leserbriefe

Tolles Buch!

25.02.2011 - Salut, tolles Buch! Habe nicht alles gelesen, aber viel, und es gefällt mir… Hier kommt das, was ich recht spontan unter dem Eindruck der Lektüre niedergeschrieben habe.

Die meisten der Sätze, die geäußert werden, haben eine statistische Struktur, dieser Satz hier ist keine Ausnahme. Selbst der Nebensatz nicht, den Sie eben gelesen/gehört haben.
Das aber bedeutet, dass unser Sprechen und Denken und damit auch unsere Kommunikation untereinander in hohem Maße statistischen Gehalt haben. Weshalb wiederum die Lehre von der Statistik auch ein Instrument ist, unsere Gesellschaft und Politik besser zu begreifen sowie die Sätze zu beurteilen, mit denen gesellschaftliche und politische Konflikte ausgefochten werden.
Die Lehre von der Statistik ist Mathematik, also formenstreng. Formal, wenn man so will. Aber sie ist, wie viele Zweige der Mathematik, zugleich hochgradig praxisbezogen.
So, und für alles das ist das Buch “Lügen mit Zahlen” ein schönes Beispiel. Es springt mitten hinein in die politischen, besonders in die sozialpolitischen Probleme und zerfetzt integrierte oder nachgeplapperte Unwahrheiten. Der Leser wird erstaunt darüber sein, dass in diesem Buch die Wahrheit vorzugsweise links und die Unwahrheit vorzugsweise rechts angesiedelt ist, aber das liegt nicht an der Statistik sondern an der Auswahl der Beispiele – und die Autoren machen ja auch keinen Hehl aus ihren politischen Präferenzen. An der Richtigkeit ihrer methodischen Kritik ändert dieser Umstand nichts.
Das Buch steht in einer guten Tradtion. Sie begann in Amerika mit Darrell Huffs “How to lie with Statistics” aus dem Jahr 1954; in Deutschland wurde sie unter anderem fortgesetzt mit “So lügt man mit Statistik” von Walter Krämer. Man kann sich mittlerweile eine kleine Bibliothek kritischer Statistikbücher zusammenstellen; das Buch “Lügen mit Zahlen” aber hat erstens den Vorteil, dem Leser eine Anleitung zum kritischen Umgang mit Statistiken zu geben, zweitens den, mitten in der politischen Aktualität zu stehen. Drittens aber enthält es auch persönliche Erfahrungen eines der Autoren mit der politisch motivierten Erzeugung und Verwendung von Statistiken: Da erfährt man “from the horses mouth”, wie mit Statistiken, nun ja, gelogen wird.
Wir wollen deswegen nicht auf Statistik verzichten. Schlechte Statistik lügt, das ist wahr, aber gute Statistik ist ein Instrument, der Wahrheit näher zu kommen. Wer auf dieses Instrument verzichtet, bleibt zur Unwissenheit verurteilt.
Gero von Randow, zzt. in Tunis (13.2.2011)