Zahlenblog:

Verdeckte Preiserhöhung bei Monatskarten

10.08.2014 - Gerald Stütz ist ein Beispiel für manipulativen Umgang mit Preissenkungen und dem Verdecken einer wichtigen Preiserhöhung aufgefallen, das sich die Verkehrsbetriebe im hessischen Kreis Groß-Gerau geleistet haben.

Ein, wahrscheinlich nicht einmal sonderlich dreistes, Beispiel für das Weglassen unangenehmer Daten. Der Verkehrsverbund RMV bietet im Kreis Groß-Gerau für Schüler und Auszubildende eine sogenannte “CleverCard” an. Dies war bislang in mehreren Preisstufen erhältlich. Ab Herbst 2014 ist sie nur noch als CleverCard kreisweit erhältlich. Die dazu erhältiche Broschüre zeigt eine Tabelle die für die neue Karte eine Ersparnis von 4,1% gegenüber der ehemaligen Preisstufe 2, 25,8% gegenüber Preisstufe 3 und sage und schreibe 50,5% bei Preisstufe 4 aufzeigt. Das dem gegenüber eine Preissteigerung von 51,4% bei Preisstufe 1 steht unterschlägt man geflissentlich.

Das Anschreiben zu dieser Umstellung erwähnt, das die Preisstufe 1 entfällt. Was sicherlich richtig ist, vergisst aber zu erwähnen, das faktisch auch die Preisstufen 2-4 entfallen.

Ach ja, für Rüsselsheim, die größte Stadt im Kreisgebiet, wird es weiterhin die klassische Stadtpreisstufe 1 geben. Das hat man sich dann anscheinend doch nicht getraut.

Mit freundlichen Grüßen
Gerald Stütz

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Guten Tag, Herr Stütz,
besten Dank für das gute Beispiel aus dem Alltagsleben. Es scheint sich um eine ähnliche Manipulation zu handeln wie die Änderung von Packungsgrößen, um Preiserhöhungen zu verschleiern bzw. Preisvergleiche zu erschweren. Das haben wir in der Form, glaube ich, noch nicht behandelt.
Man kann es auch positiv sehen: Solche Manipulationen sind vielleicht ein Indiz dafür, dass es schwierig ist, Preiserhöhungen auf dem Markt durchzusetzen. Wenn das einfach wäre, bräuchten sich die Anbieter nicht die Mühe zu machen.
Bei Packungsgrößen kommt hinzu: Die werden auch deshalb verändert, um sich veränderten Bedarfen anzupassen. In Ihrem Beispiel geht es dem Verkehrsbetrieb vielleicht auch darum, Verwaltungsaufwand einzusparen.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Jürgen Korff

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Guten Tag Herr Korff,

ich sehe in dem vorliegenden Fall eher eine, mehr oder weniger geschickte, Auswahl des Wertbereichs. Die Auflistung listet die für die Preisstufen 2, 3 und 4 erfolgte Ersparnis durch das neue Modell. Die Preissteigerung (von über 50%) für Preisstufe 1 taucht nicht auf.
Übrigens werden im Kreis Groß-Gerau die Fahrtkosten zu Schule vom Schulamt übernommen, sofern der Wohnort mindestens zwei Kilometer von der Schule entfernt ist. Insofern betrifft die Erhöhung nur den Bruchteil der Schüler die entsprechend nah an der Schule wohnen. In der größten Stadt im Kreis dürfte das wahrscheinlich auf einen großen Teil der Schüler zutreffen und zufälligerweise ist just dort noch die alte Preisstufe eins vorhanden. Inwieweit die Umstellung an sich für das Schulamt ein positiven oder negativen Effekt hat, kann ich nicht beantworten.

Mit freundlichen Grüßen
Gerald Stütz