Zahlenblog:

Vorteile von TTIP offenbar drastisch übertrieben

13.03.2015 - Thilo Bode von "foodwatch" macht auf gezielte Fehlinformation im Zusammenhang mit dem Transatlantischen Freiheitsabkommen (kurz: TTIP) aufmerksam. Während TTIP nach wie vor für die Öffentlichkeit intransparent verhandelt wird, plädiert Ulrich Grillo, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), dafür, dass „die Fan-Gemeinde von TTIP (…) deutlich wachsen“ muss, da „die öffentliche Diskussion um TTIP (…) von Angstmacherei und Mythen“ getrieben sei. Betrachtet man jedoch die Zahlen, mit denen der BDI Werbung für TTIP macht, genauer, fallen gleich mehrere unsaubere Informationen auf.

Anfangs behauptete der BDI noch, durch TTIP würde sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU um rund 100 Milliarden Euro jährlich erhöhen. Mittlerweile hat der Verband auf Nachfrage eingeräumt, dass sich das BIP lediglich einmal um 100 Milliarden Euro erhöhen würde, und das auch erst nach zehn Jahren, womit sich das aufgrund von TTIP vorausgesagte Wirtschaftswachstum um 90 Prozent verkleinert.

Ein ähnlicher Fehler fällt bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) auf. Diese kündigte in einer Broschüre an, „das verfügbare Einkommen einer vierköpfigen Familie in der EU würde (…) im Schnitt um 545 Euro jährlich steigen“, doch auch hier handelt es sich in Wirklichkeit um eine einmalige Steigerung um 545 Euro und ebenfalls erst nach zehn Jahren, wie auch die INSM inzwischen bestätigt hat.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag propagiert selbstbewusst „mindestens 100.000 neue Arbeitsplätze“ durch den Abbau von Handelshemmnissen zwischen den USA und der EU, obwohl diese Zahlen nur auf eher unwahrscheinlichen Szenarien und auf einer sehr vorsichtigen Schätzung des Münchner ifo-Insituts aufbaut.

Vor dem Hintergrund solcher verzerrten Informationen fällt es Nicht-Mitgliedern der Industrielobby in der Tat schwer, Fan von TTIP zu werden.

Jens Jürgen Korff

Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 1.4.2015 über die Zahlenmanipulationen in der TTIP-Propaganda