Zahlenblog:

Was ist die größte Stadt der Welt?

20.08.2015 - Chongqing? Unserem Leser Uwe Samsel ist aufgefallen, dass chinesische Millionenstädte die Fläche von ganzen Provinzen einnehmen und so auf ihre riesigen Einwohnerzahlen kommen. Er wirft die Frage auf, wie eigentlich eine Stadt definiert ist.

Mitteilung: Chongqing ist eine Stadt in China. Sie hat etwa 28 Millionen Einwohner und gilt als die größte Stadt der Welt. Allerdings leben in dieser Stadt nur 350 Menschen auf dem Quadratkilometer. Das entspricht etwas mehr als der Bevölkerungsdichte des beschaulichen Städtchens Xanten am Niederrhein.

Die Bevölkerungszahlen chinesischer Städte sind eigentlich eine Täuschung:
Chongqing hat eine Fläche von etwa 82.000 Quadratkilometern. Das entspicht in etwa der dreifachen Fläche Belgiens.

In Chonqing passt die Stadt Berlin etwa zweiundneunzigmal hinein. Hätte Chonqing die Bevölkerungsdichte Berlins, sie hätte nicht 28 Millionen Einwohner sondern 318 Millionen Einwohner.

Ähnliches gilt für die angeblich so bevölkerungsreiche Stadt Peking: sie ist etwas kleiner als das Land Hessen. Die Fläche der Stadt Peking entspricht einem Quadrat mit einer Seitenlänge von 130 km! Auf dem Quadratkilometer leben allerdings nur 1231 Einwohner.

Fast alle “Millionenstädte” Chinas sind eigentlich Provinzen und deshalb sollte man vorsichtig sein, wenn man bei chinesischen Städte unsere Definition von „Stadt“ zugrundelegt.

Zum Vergleich: Moskau hat 11,5 Millionen Einwohner und ist etwa 2,8 Mal so groß wie Berlin und hat etwa 3,8 Mal soviel Einwohner wie Berlin. Moskau und Berlin sind richtige Millionenstädte. Peking und die vielen anderen Millonenstädte in China sind nichts anderes als die Zusammenfassung großer, meist bäuerlicher Landkeise mit einigen wenigen Stadtkreisen.

Uwe Samsel

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Sehr geehrter Herr Samsel,

vielen Dank für das interessante Beispiel, wie man durch passende Definition Quantitäten erzeugen kann. Im etwas kleineren Maßstab ist das 1973 bei der kommunalen Neuordnung in NRW auch passiert. Bielefeld z. B. hat formell 320.000 Einwohner, doch davon entfällt fast die Hälfte auf die beiden früher selbständigen Städte Brackwede und Sennestadt, die räumlich deutlich vom alten Bielefeld getrennt sind, und das ganze dörfliche Umland dieser drei Städte. Die Bevölkerungsdichte ist ähnlich wie die von Peking. (Die von Köln ist doppelt so groß.) Diese Technik scheinen die Chinesen zu einem gewissen Exzess getrieben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Jens J. Korff