Zahlenblog:

Wenn eine Größe zuerst steigt und dann wieder absinkt

16.06.2014 - Der Tourismus im Kreis Höxter ist angeblich wegen des Baus einer privaten Autorennstrecke 2011-13 um 1 % angewachsen. Doch der Vergleich der Steigerungsrate 2011/12 mit der Absenkungsrate 2012/13 verzerrt die Entwicklung. Eine Feinheit aus dem Kapitel "Die große Freiheit der Prozentisten".

Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) schrieb am 13.6.2014 über eine private Autorennstrecke auf dem Bilster Berg im Kreis Höxter:

“Durchweg positive Impulse des Bilster Bergs für die Region sehen der Landrat des Kreises Höxter, Friedhelm Spieker (CDU), sowie die Bürgermeister der angrenzenden Städte Nieheim, Rainer Vidal (parteilos), und Bad Driburg, Burkhard Deppe (CDU). Uwe Kirschner, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreisverband Höxter-Warburg, macht das an Zahlen fest. »Während der Bautätigkeit sind die Übernachtungszahlen im Kreis um 2,5 Prozent gestiegen. 2013, mit dem Ende der Arbeiten, sind sie aber nur um etwa 1,5 Prozent auf 1.075.732 zurückgegangen.«

So wollen uns die Herren verkaufen, dass eine Steigerung der Übernachtungszahlen um 1 Prozent unterm Strich übrig geblieben sei. Doch das stimmt nicht ganz, weil die Bezugsgröße bei der Steigerung die kleinere Zahl von 2011 ist, bei der Absenkung aber die größere Zahl von 2012. Rechnen wir also auf absolute Zahlen um:
2013 waren es 1.075.732 Übernachtungen. Das waren 1,5 % weniger als 2012.
2012 waren es demnach 1.092.114. Das waren 2,5 % mehr als 2011.
2011 waren es demnach 1.065.477.
Die Steigerung von 2011 auf 2013 beträgt 0,96 % und nicht 1 %.

Der Unterschied ist in diesem Fall gering, soll aber als Beispiel dafür dienen, dass solche Vergleiche von Steigerungs- und Absenkungsraten oft fehlerhaft sind. Das größere Problem der Rechnung ist sicher der sehr gewagte Schluss auf eine Kausalität. So eine kleine Schwankung im Tourismusgeschäft kann alle möglichen Ursachen haben; etwa auch das Wetter oder die Konjunktur. Dass sie ausgerechnet auf diese Rennstrecke zurückgehen soll, ist so nicht zu belegen.

Jens Jürgen Korff