Zahlenblog:

Zahlenlüge der Polizei zur CSD-Parade in Köln

16.07.2013 - in "Schrill und bunt - und ganz normal", Kölner Stadt-Anzeiger, 8. Juli 2013, S. 23.
Ich habe die Christopher-Street-Day-Parade am Sonntag mit vielen netten Menschen genossen. Aber warum müssen Polizei und Stadt-Anzeiger so hemmungslos übertreiben und von 900.000 Zuschauern fabulieren??? Das hätte glatt aus unserem Buch "Lügen mit Zahlen" kommen können!

Eine einfache Überschlagsrechnung genügt: Ständen alle Zuschauer trotz der Hitze so dicht, dass zwei auf einen Meter passen, so wären es pro Reihe entlang der sechs Kilometer Zugweg 12.000 Menschen. Für 900.000 wären also 75 dicht gedrängte Reihen nötig gewesen, 38 rechts und 37 links (oder umgekehrt). Wo ich stand war nur eine Reihe, gegenüber bestenfalls drei und wie die Ölsardinen gepresst standen wir auch nicht!

Nehmen wir realistischer mal fünf Reihen auf jeder Zug-Seite an mit 75 cm für jeden Zuschauer, so kommen wir entlang der sechs Kilometer-Strecke auf 80 000, bei 10 Reihen wären es immerhin 160.000 gewesen.

Die Parade war Klasse, Zuschauer und Teilnehmer hatten ihren Spaß, da braucht es doch nicht so hemmungslose Übertreibungen. Und nächstes Jahr komme ich wieder, da ich nicht im Menschenmeer ersticke.

Prof. Dr. Gerd Bosbach, Fachmensch bei der Aufdeckung von “Lügen mit Zahlen”, in einem Leserbrief an den Kölner Stadt-Anzeiger