Zahlenblog:

COVID 19 und Gefahr für junge Menschen – Hinweis Nr. 69

27.01.2021 - 

In den letzten Monaten wurde vermehrt von der Gefahr durch Corona für junge Menschen berichtet.

„Mehr junge Menschen schwer an Covid erkrankt“ berichtet beispielsweise NTV mit Bezug auf eine Hamburger Intensivstation am 3. November 2020. Die Zeit titelt dazu „Intensivmediziner: Mehr Junge schwer an Corona erkrankt“. Die Süddeutsche Zeitung wusste schon im April 2020 „Warum das Virus auch für junge Menschen gefährlich ist“ und aus den USA schreibt die FAZ „Unter jüngeren Amerikanern liegt der Zahl der Covid-19-Toten höher als bislang angenommen.“

„20-Jähriger stirbt im Schlaf – Experten vermuten Corona als Ursache“ (tz / Merkur, 24.11.2020) bezieht sich dann exklusiv auf einen Einzelfall, verfehlt seine Wirkung aber auch nicht. Bei Jüngeren wächst die Angst vor einem schweren bis tödlichen Verlauf einer Erkrankung an COVID 19 – leider auch die Verleugnung.
Als Statistiker weiß ich über die Gefahr von Einzelfallberichten. Gerade vermehrt auftauchend erwecken sie doch so eine Art „Allgemeingültigkeit“. Deshalb mein Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des RKI:

a) Bei den COVID-19-Fällen des RKI steigt das mittlere Alter der positiv Getesteten kontinuierlich von 32 Jahren im August auf 48 Jahre Ende Dezember.
b) Bei den Todesfällen der unter 30-Jährigen ist der Anteil der im Zusammenhang mit COVID 19 Gestorbenen an den Toten ihrer Altersgruppe mit 0,7 % der Todesfälle minimal, steigt dann mit den Altersgruppen kontinuierlich an, um bei den 80- bis 90-Jährigen mit 4,8 % den höchsten Anteil zu erreichen. Je jünger desto weniger spielt COVID beim Sterben eine Rolle.
c) Das mittlere Alter der an oder mit COVID-Verstorbenen stieg von 81 Jahren im Frühjahr 2020 auf letzte Woche 84.

Natürlich gibt es junge Einzelfälle, aber es sind halt Einzelfälle und kein Trend.
Die erzieherische Wirkung der o.g. Meldungen kann ich nicht verhehlen, glaube aber, dass man so langfristig Schaden durch Misstrauen erzeugt. Bürger werden durch Aufklärung mündig, nicht durch Angsterzeugung. (s. dazu auch mein Gastbeitrag über Angstpädagogik bei Norbert Häring.) Und Angst ist selten ein guter Ratgeber.

Gerd Bosbach
Köln, 26. Januar 2021