Zahlenblog:

Fleischverzehr schlimmer als Autofahren? Stimmt nicht.

21.07.2019 - 

Jahrelang geisterten Meldungen durch die Klimaschutzszene, der Fleischverzehr (genauer: die Viehzucht) belaste das Klima stärker als der gesamte Verkehr. Frank Mitloehner von der University of California zeigt auf krautreporter.de den methodischen Fehler auf, der zu dieser verzerrten Darstellung geführt hat. In Usa z. B. liegt die Klimabelastung durch den Verkehr um ein Vielfaches über der durch die Tierhaltung.

Wie Mitloehner ausführt, gehen diese Darstellungen auf eine 2006 veröffentlichte Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zurück. Diese Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Nutztierhaltung weltweit für 18 % der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sei, und damit für mehr als der gesamte Verkehrssektor. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, hatten die Forscher bei Tierhaltung und Fleischproduktion versucht, alle damit zusammenhängenden Faktoren mitzurechnen: die Düngemittelproduktion, die Umwandlung von Wäldern in Weiden, den Anbau von Futtermitteln, die direkten Emissionen der Tiere (Rülpsen beim Wiederkäuen, Gülle) von der Geburt bis zum Tod. Beim Verkehr jedoch hatten sie das unterlassen und nur den direkten Kohlendioxid-Ausstoß der Autos, Lkw, Flugzeuge usw. berücksichtigt. Die Herstellung von Autos und Autoteilen, Bau und Unterhalt von Straßen, Brücken, Parkhäusern usw., Umwandlung von Wäldern in Verkehrsflächen u.ä. blieben außen vor. Was damit zusammenhängt, dass diese indirekten Klimafolgen des Verkehrs offenbar kaum erforscht sind.

Nach unserer Kategorisierung von Zahlentricks im Buch „Lügen mit Zahlen“ liegt hier der Trick mit den Definitionen vor: Die FAO-Autoren haben den Treibhausgas-Ausstoß der Fleischproduktion anders definiert als den des Verkehrssektors. Direkt vergleichbar sind nur die direkten Ausstöße von Treibhausgasen. Und die lagen für Usa 2016 nach Angaben der amerikanischen Umweltbehörde bei 28 % für die Stromproduktion, 28 % für den Verkehr, 22 % für die Industrie und nur 9 % für die gesamte Landwirtschaft (darin rund 4 % für die Viehhaltung).

Jens Jürgen Korff

Der ganze Artikel auf krautreporter.de, 3.7.2019