Zahlenblog:

Meuthens Lüge über "unsichere Studien zum Klimawandel"

26.07.2019 - 

Der führende AfD-Politiker Jörg Meuthen behauptete in einer ZDF-Talkshow, zwei Drittel der Studien über den Klimawandel seien sich über die Ursachen nicht sicher. Dabei zählte er alle Studien mit, die sich mit der Frage der Ursachen gar nicht befasst haben.

Jörg Meuthen behauptete während des Europawahlkampfs in der ZDF-Talkshow „Mein erstes Mal“, zwei Drittel der Studien zum Klimawandel seien sich über die Ursachen des Klimawandels nicht sicher. Diese Behauptung ist falsch, wie ZDFcheck19 am 2.5.2019 berichtete. Meuthen berief sich im ZDF auf einen Überblick über die Klimaforschung, den ein Forscherteam um den Australier John Cook 2013 veröffentlicht hatte. Nach Cook haben zwei Drittel der untersuchten 11.944 Studien keine Aussage über die Ursachen des Klimawandels gemacht, weil es in den Studien um andere Aspekte des Klimawandels ging, zum Beispiel um bestimmte Folgen oder um Gegenmaßnahmen. Nicht aber, weil die Forscher die Ursachen für unsicher hielten. In einem Drittel der Studien ging es um die Ursachen, und von diesen kamen 97,1 % (also mehr als die 90 %, von denen Meuthen gesprochen hatte) zu dem Ergebnis, dass der aktuelle Klimawandel menschengemacht ist.

Das ist so, als würde ein Lobbyist der Zigarettenindustrie sagen: Zwei Drittel aller Studien über Lungenkrebs sind sich über die Ursachen von Lungenkrebs nicht sicher – weil zwei Drittel der Studien sich z. B. mit Therapien gegen Lungenkrebs beschäftigen und deshalb nichts über die Ursachen der Krebserkrankungen aussagen. Mit ähnlichen Lügen hatte die amerikanische Zigarettenindustrie tatsächlich viele Jahre lang versucht, den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs zu leugnen.

Jens Jürgen Korff
Bielefeld