Zahlenblog:

Stagnierende Corona-Zahlen, Ursachenermittlung – Hinweis Nummer 71

20.02.2021 - 

seit Tagen stagnieren die Zahlen zu den Corona-positiv Getesteten. Es wird eine dritte Welle befürchtet. In der Öffentlichkeit dominiert als Ursache die Mutationen der Viren, vor allem die britische B.1.1.7. Das ist möglich, aber bei weitem nicht eindeutig.

Die Erhöhung der Anzahl der Schnelltests kommt als Ursache ebenfalls in Frage. Der Spruch „Wer viel sucht, findet auch viel“ passt bei Corona gut, da mit den Schnelltests auch symptomlose oder nur leicht erkrankte aufgedeckt und über einen PCR-Test positiv getestet werden.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit gelten beide Ursachen, aber in welchem Ausmaß?

Hätten wir repräsentative Untersuchungen zur aktuellen Verbreitung des Virus, wie schon im Frühjahr 2020 gefordert, wäre es klar. Steigt der Anteil der Infizierten, liegt es wohl an den Mutanten. Steigt er nicht, bringen die vermehrten Tests nur mehr bisher unentdeckte Fälle zu Tage, sinkt die Dunkelziffer. Da diese Untersuchungen nicht existieren, verbleiben uns nur Krücken zum Versuch der Beantwortung.

Krücke 1: Die Entwicklung der Anzahl der durchgeführten Schnelltests muss abgeschätzt werden.
Krücke 2: Der Gesundheitszustand der positiv Getesteten muss genauer erfasst und veröffentlicht werden. Steigt fast nur die Zahl der leicht Erkrankten und Gesunden, ist wohl die Testausweitung verantwortlich für wachsende Zahlen. Ansonsten die Mutante.
Krücke 3: Nicht steigende Todeszahlen wären ein ähnlicher Hinweis wie Krücke 2, allerdings erst mit einer Verzögerung von ca. 10 Tagen.

Mal sehen, was das RKI dazu liefert.

Die Folgen der für März geplanten Schnelltestausweitungen für die Zahl der positiv Getesteten (und damit die Inzidenz) ist klar. Salopp ausgedrückt: „Die heutige 35 ist die 70 bei Halbierung der Dunkelziffer.“ Ob die Entscheider das berücksichtigen?

Gerd Bosbach, Köln