Zahlenblog:

Steigende Corona-Zahlen bei Kindern, was heißt das?

19.03.2021 - 

Der Kölner Stadt-Anzeiger titelte am 18.3.2021: „Zahl infizierter Kita-Kinder steigt deutlich“ und nimmt dabei Bezug auf NRW-Daten. Allerdings bezogen sich diese Daten auf die Anzahl positiv Getesteter und können höchstens ansatzweise das tatsächliche Infektionsgeschehen beschreiben.

Das wurde am letzten Wochenende im Kölner Stadt-Anzeiger auf S. 5 auch gut bemerkt: „Kleine Kinder haben bei Corona-Infektionen häufig keine Symptome und wurden oft nicht getestet, deshalb vermuteten Experten seit Pandemiebeginn eine recht hohe Dunkelziffer in dieser Gruppe.“ Jetzt bringen die vermehrten Schnell- und Selbsttests mehr Licht ins bisherige Dunkel, selbst wenn die Test-Zahl nicht so steigt wie vorher geplant. Vor vier Wochen habe ich deshalb gewarnt: „Die Folgen der für März geplanten Schnelltestausweitungen für die Zahl der positiv Getesteten (und damit die Inzidenz) ist klar. Salopp ausgedrückt: ‚Die heutige 35 ist die 70 bei Halbierung der Dunkelziffer‘. Ob die Entscheider das berücksichtigen?“

Spätestens nächste Woche werden wir das gleiche bei den Schülern beobachten. Hintergrund der möglichen Fehldeutungen ist die seit einem Jahr kritisierte unsinnige Gleichsetzung von Infiziert, positiv getestet bzw. registrierter Fall und erkrankt. Das hat schon einige Fehldeutungen verursacht.

ACHTUNG:

  1. Diese Betrachtung schließt nicht aus, dass die steigenden Testzahlen auf steigende Infektionen zurückgehen. Wir wissen es nur nicht.
  2. Die Teststrategie (mit Selbst- und Schnelltests) als solche ist vernünftig. Die Wirkung muss aber bei den Inzidenzzahlen berücksichtigt werden.
  3. Ein detaillierter Blick auf die Anzahl der symptomlosen oder nur schwach erkrankten positiv Getesteten gehört zum Blick auf die Gefahr der Virus-Entwicklung. Hier muss das RKI liefern.

Gerd Bosbach, Köln, 18.3.2021