Zahlenblog:

Zur Lage der Rente: Gerd Bosbach über die Hintergründe (Statement)

18.03.2020 - 

Hintergründe zum anstehenden Bericht der Rentenkommission (Hinweis Nr. 57): Am 27. März soll der Abschlussbericht der Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ überreicht werden. Gerd Bosbach nimmt zu Hintergrundfragen Stellung.

Einiges konnte wohl geklärt werden, anderes wird in weitere Kommissionen vertagt oder der Regierung zur Entscheidung vorgelegt. Bei den Berichten aus und zu der Kommission werden Ideologie und Interessen die Fakten zum Thema vernebeln. Einzelmeinungen werden als Vorinformation die Diskussion lenken wollen. Zum Start der Kommission April 2018 und erneut Mitte Februar diesen Jahres haben wir das mit der kaum als neutral zu bezeichnenden Meinung von Axel Börsch-Supan erleben müssen (Siehe Hinweis 51 und Hinweis 55 ).

Deshalb von uns zur Vorbereitung einige ausgewählte Fakten – Fehlendes darf gerne angemahnt werden.

Beginnen möchten wir mit einem volkswirtschaftlichen Blick auf die Kosten der Alterung, speziell die Kosten der gesetzlichen Rente. Und dazu fallen wir direkt mit der Tür ins Haus:

Grafik: Ausgaben der Rentenversicherung als Anteil vom BIP
(Die Daten für 2019 sind noch nicht gesichert.)

Wirkt sehr überraschend: Alle reden – und das zu Recht – von steigenden Rentnerzahlen, längeren Bezugszeiten und die Renten stiegen in den letzten Jahren auch deutlich. Trotzdem ging der Anteil unseres Wohlstandes für die gesetzliche Rente in den 2000er Jahren zurück, um sich zur Zeit bei gut 9 % einzupendeln. [1]

Leute mit Interessen an Rentenkürzungen und mehr privaten Versicherungen betrachten statt unserer Grafik lieber die wachsenden Ausgaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) in absoluten Euro-Beträgen. Von 2000 mit 214 Milliarden sind sie bis 2018 massiv auf 308 Milliarden € gestiegen (Gesamtausgaben). Dieser Blick übersieht aber krass die parallel gestiegenen Preise und ebenso das Wachstum unseres Wohlstandes. Gemessen im Bruttoinlandsprodukt ist der Wohlstand im gleichen Zeitraum von 2,1 auf 3,35 Billionen Euro um gut 50 % gestiegen. Und wenn wir mehr Geld zur Verfügung haben, geben wir auch mehr für fast alle Bereiche aus: Urlaub, Autos, Gesundheit, elektronische Geräte, …. Mit der Zeit wachsende Ausgabenkurven sind also fast natürlich. Warum dann nicht für Rentner, vor allem da ihre Anzahl noch gestiegen ist? [2]

Von einer „Unbezahlbarkeit“ der gesetzlichen Rente kann also zumindest für die Vergangenheit nicht geredet werden, trotz deutlicher Alterung: Die Lebenserwartung stieg seit 2000 um 2,2 Jahre (Frauen) und 3,4 Jahre bei den Männern. Der Anteil von 65+ stieg insgesamt um mehr als ein Drittel von 15 auf über 21%.

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In den nächsten Wochen wollen wir noch auf folgende Themen eingehen:
1. Die gesetzliche Rente ist nur ein Teil der Einnahmen der Rentner. Können die anderen Teile die Verluste bei der gesetzlichen Rente nicht ausgleichen? (So zumindest die erklärte Absicht bei Beginn der Renten„reformen“ Anfang 2000.)
2. Wird in Zukunft alles noch viel ärger?
3. Wie steht unser System international da?

Detaillierte Fakten wollen wir liefern zu:
A. Bedrohliche Entwicklung der Rentenzahlungen seit 2000 für viele trotz der Rentensteigerungen der letzten Jahre – ein nur scheinbarer Widerspruch.
B. Auch wer lange gearbeitet hat, bekommt oft keine vernünftige Rente.
C. Steigende Lebenserwartung – Fakten und Ängste

Gerd Bosbach, Jens Jürgen Korff 16. März 2020
Köln, Eschweiler bei Aachen

[1] Fakten zu Rentenerhöhungen und Rentnerzahlen als PDF
[2] Weitere Fakten und Beispiele zu absoluten versus relativen Zahlen finden Sie im Kap. 4 von „Lügen mit Zahlen“.

Zum gleichen Thema ein Interview mit Gerd Bosbach